Quantencomputing, KI und HPC: Warum langfristige Forschung entscheidend ist

14. September 2026
5 Minuten Lesezeit
Fujitsu forscht seit Jahrzehnten an Technologien, die über den eigenen Tellerrand hinausgehen. Das Fujitsu Small Research Lab ist dabei einer der konsequentesten Ausdrücke dieses Anspruchs: Fujitsu-Forscher:innen gehen langfristig an Universitäten, arbeiten dort mit Professor*innen und Studierenden zusammen und bringen industrielle Perspektive in akademische Forschung ein. Und umgekehrt.
Was steckt dahinter?
Das Fujitsu Small Research Lab ist ein Forschungsprogramm, bei dem Fujitsu-Forscher:innen langfristig an Universitäten in Japan und weltweit tätig sind. Nicht als Gäste, sondern als aktiver Teil der akademischen Gemeinschaft. Ziel ist es, gemeinsam mit Professorinnen und Studierenden an Themen zu arbeiten, die gesellschaftlich relevant sind und technologisch an den Grenzen des heute Machbaren liegen.
Was das Programm von klassischer Auftragsforschung unterscheidet, ist der Ansatz: Statt einzelner Projekte zu einzelnen Themen setzt Fujitsu auf organisatorische, mittelfristige Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg. Gesellschaftliche Herausforderungen sind selten eindimensional, und die Forschung, die zu ihrer Lösung beiträgt, sollte es auch nicht sein. Das Fujitsu Small Research Lab versteht sich daher als Plattform, auf der Grundlagenforschung und industrielle Praxis produktiv zusammenstoßen, neue Themen entdeckt werden, die Fujitsu allein nicht entwickeln würde, und Nachwuchs entsteht, der mit echter Forschungserfahrung ins Berufsleben startet.
Derzeit unterhält Fujitsu 13 Labs in Japan und 4 weitere weltweit, unter anderem an der Universität Toronto, der Technischen Universität Delft und der Ben-Gurion University of the Negev in Israel. Jedes Lab hat seinen eigenen inhaltlichen Schwerpunkt. In Toronto liegt der Fokus auf innovativen Computing-Architekturen und deren Anwendungen. In Delft wird an skalierbaren, modularen Quantencomputern auf Basis von diamantbasierten Spin-Qubits geforscht. Und in Israel steht KI-Sicherheit im Mittelpunkt, konkret die Frage, wie KI-Systeme und Netzwerke besser gegen Angriffe geschützt werden können. Die Bandbreite ist bewusst gewählt: Komplexe technologische Fragen verlangen eine Forschungsstruktur, die genauso vielschichtig ist wie die Probleme selbst.
In Japan sind die Labs noch dichter gestreut. An der Tohoku University wird an kausaler Entdeckung und mathematischen Technologien geforscht, die zur Lösung gesellschaftlicher Fragen beitragen sollen. An der Kyoto University liegt der Schwerpunkt auf KI-gestützter Analyse großer Mengen medizinischer Daten. An der Nagoya University geht es um digitale Zwillinge für gesellschaftliche Planungsprozesse. Und an der Yokohama National University werden KI und HPC genutzt, um Taifun-Forschung voranzutreiben. Fünf Schlüsseltechnologien ziehen sich dabei durch alle Labs: Computing, Netzwerke, KI, Daten und Sicherheit sowie konvergierende Technologien, also die Verbindung verschiedener Felder zu etwas Neuem.

Ein neues Kapitel: Quantencomputing trifft auf HPC
Im Mai 2026 wurde am Institute of Science Tokyo der „Fujitsu Quantum and HPC Infrastructure Collaborative Research Cluster" ins Leben gerufen. Dieses neue Lab erweitert eine bereits bestehende Zusammenarbeit zwischen Fujitsu und Science Tokyo, die bislang auf High Performance Computing ausgerichtet war, um ein zentrales Zukunftsthema: Quantencomputing.
Die Partnerschaft zwischen Fujitsu und Science Tokyo hat dabei eine eigene Vorgeschichte. Bereits seit 2022 arbeiten beide Seiten im Rahmen des „Fujitsu Next-Generation Computing Infrastructure Collaborative Research Cluster" zusammen, der unter anderem auf dem Supercomputer TSUBAME der Universität aufbaut. Der neue Cluster schreibt diese Zusammenarbeit fort und erweitert sie in ein Feld, in dem Fujitsu schon länger forscht, das aber nun stärker in den Mittelpunkt rückt: Quantenhardware.
Konkret geht es dabei um die Erforschung von Steuerungs- und Kalibrierungstechnologien für Quantencomputer, also die Frage, wie sich Quantenoperationen mit möglichst hoher Präzision durchführen lassen. Je mehr Quantenbits ein System umfasst, desto komplexer wird seine Steuerung und Kalibrierung. Hier setzt die gemeinsame Forschung an, mit dem Ziel, effizientere Kalibrierungstechnologien zu entwickeln, bei denen KI gezielt eingesetzt wird, um diesen Prozess zu beschleunigen und zu vereinfachen. Das ist kein akademischer Selbstzweck: Präzise Steuerung ist eine der zentralen technischen Voraussetzungen dafür, dass Quantencomputer eines Tages in der Lage sein werden, Probleme zu lösen, die klassischen Systemen schlicht zu komplex sind.
Gleichzeitig verfolgt das Lab einen zweiten Schwerpunkt: die gezielte Ausbildung von Nachwuchskräften im Bereich Quantenhardware. Der Mangel an qualifizierten Fachkräften in diesem Feld ist eine globale Herausforderung. Die Zahl der Menschen, die mit Quantenhardware in Design, Fertigung, Steuerung und Evaluierung vertraut sind, ist weltweit begrenzt, und das bremst die Entwicklung des gesamten Feldes. Das neue Lab setzt genau hier an. Studierende erhalten nicht nur theoretische Einblicke, sondern praktische Ausbildung, die unmittelbar an reale Forschungs- und Entwicklungsprozesse anknüpft. Von der Konzeption von Quantenbit-Chips über deren Fertigung bis hin zu Steuerung und Messung soll systematisch Expertise aufgebaut werden, die langfristig wirkt.

Warum das auch außerhalb Japans relevant ist
Quantencomputing wird in den kommenden Jahren Branchen verändern, die auf komplexe Berechnungen angewiesen sind: Materialentwicklung, Pharmakologie, Finanzwesen, Fertigung. Die technischen Hürden auf dem Weg zum praxistauglichen Quantencomputer sind real und bekannt. Sie erfordern eine Forschungsinfrastruktur, die aufwendig ist: Spezialanlagen für die Fertigung von Quantenbit-Chips, Kryokühler, die extreme Temperaturen aufrechterhalten, präzise Steuerungsgeräte. Das ist mit ein Grund, warum die Zahl der Forschenden in diesem Feld so begrenzt ist. Es braucht Partner, Ressourcen und eine langfristige Perspektive.
Genau das bietet das Fujitsu Small Research Lab als Modell. Die Kombination aus industrieller Forschungserfahrung, universitärer Infrastruktur und dem klaren Ziel, auch Nachwuchs zu entwickeln, ist eine Antwort auf eine strukturelle Frage: Wer baut das Wissen auf, das diese Technologie braucht, um aus dem Labor in die Praxis zu kommen?
Für Fujitsu ist das Small Research Lab ein konkreter Beleg dafür, wie langfristige Forschung und technologische Innovation zusammenwirken, um die Grundlagen für die Lösungen von morgen zu schaffen.
Auch für Unternehmen in Deutschland gewinnt Quantencomputing zunehmend an Bedeutung. Insbesondere in der Fertigungsindustrie, der Materialforschung, im Finanzsektor sowie in der Logistik könnten künftig Optimierungs- und Simulationsaufgaben gelöst werden, die mit klassischen Computersystemen nur sehr schwer zu bewältigen sind. Während der breite produktive Einsatz noch einige Jahre entfernt ist, investieren Unternehmen bereits heute in Kompetenzen, Partnerschaften und Anwendungsfälle, um auf die nächste Generation von Computing-Technologien vorbereitet zu sein.
Ob Quantencomputing sein volles Potenzial in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren entfaltet, ist heute noch offen. Klar ist jedoch: Die Grundlagen dafür werden bereits heute geschaffen. Mit dem Small Research Lab verfolgt Fujitsu einen Ansatz, der Forschung, industrielle Praxis und Nachwuchsförderung verbindet und so dazu beiträgt, die Technologien von morgen frühzeitig in die Anwendung zu bringen.
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Beate Keitel
Beate Keitel ist Business Partner Marketing bei Fujitsu. In ihrem Arbeitsalltag ist sie immer neugierig, interessante Menschen mit außergewöhnlichen Themen kennenzulernen.


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