Vom Hype zur Umsetzung: Drei Thesen als Wegweiser für erfolgreiche KI-Projekte

28. November 2025
5 Minuten Lesezeit
Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Unternehmenswelt rasant – doch der Weg von der Vision zur erfolgreichen Umsetzung bleibt für viele Organisationen herausfordernd. Beim CIO Magazin Roundtable am 18. November 2025 im Smartvillage Bogenhausen in München stand daher nicht die Technik im Vordergrund, sondern die Frage, wie Unternehmen KI strategisch, kulturell und organisatorisch wirklich verankern können. Der Abend war geprägt von offenen Gesprächen, einem lebendigen Austausch und vielen spannenden Erkenntnissen.
Diskussionsrunde zu drei zentralen Thesen
Nach einem praxisorientierten Einstieg von Veronica de la Pena, Head of SAP Innovation, Siemens Healthineers, die konkrete Use Cases aus dem Geschäftsalltag präsentierte, widmete sich eine Diskussionsrunde dem Thema des Abends. Maximilian Schulze-Berl, Head of European Modernization Center of Excellence, Fujitsu Germany GmbH, Thomas Diener, Strategic Business Consultant, Fujitsu Germany GmbH, sowie Phillip Schlenkhoff, LL.M., Experte für KI und Technologie, AI Transformation Institute, sprachen über drei Thesen, die den Erfolg von KI-Projekten maßgeblich bestimmen – und deren Bedeutung weit über technologische Fragestellungen hinausgeht:
- KI ist kein IT-Projekt – sie ist die letzte Chance für unsere Wettbewerbsfähigkeit. Wir müssen jetzt modernisieren.
- KI wird unsere Unternehmensstruktur neu definieren – oder wir verlieren den Anschluss.
- Wer KI nur zur Kostensenkung nutzt, hat den Wandel nicht verstanden.
These 1: KI ist kein IT-Projekt – sie ist die letzte Chance für unsere Wettbewerbsfähigkeit
Die Diskussion machte sehr deutlich, dass Künstliche Intelligenz weit mehr ist als ein technisches Werkzeug. Sie ist eine grundlegende, industrieübergreifende Transformation, vergleichbar mit der historischen Einführung der Dampfmaschine. Sie betrifft jede Branche, jedes Level einer Organisation und jede einzelne Rolle. Und sie wird in Zukunft ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen sein.
Die Experten waren sich einig: Deutschland muss jetzt modernisieren, sonst wird KI die Unternehmen überholen. Künstliche Intelligenz fordert eine technologische Grundmodernisierung: Ohne aktuelle IT-Systeme, zentrale Datenhaltung, klare Zugriffsregeln und flexible Architekturen sind erfolgreiche Initiativen kaum umsetzbar. Gleichzeitig ist die Einführung von Künstlicher Intelligenz ein Massiv-Change-Thema – Prozesse müssen angepasst, Qualitätssicherungsmechanismen neu gedacht und Zweifel und Widerstände der Mitarbeitenden ernst genommen werden.
Die Diskutierenden betonten, dass KI kurzfristig zwar oft als Hype wahrgenommen wird, langfristig jedoch eine sehr reale, betriebswirtschaftliche Notwendigkeit ist. Generative KI bietet bereits heute transparente Kostenstrukturen und ist in vielen Fällen ein klarer No-Brainer. Die Transformation wird kommen – die Frage ist nur, wie schnell Organisationen den Anschluss schaffen.
These 2: KI wird unsere Unternehmenskultur neu definieren – oder wir verlieren den Anschluss
Ein zweiter Schwerpunkt des Abends lag auf den kulturellen Veränderungen, die Künstliche Intelligenz unausweichlich mit sich bringt. Bis 2030 wird, so die Prognose des 2025 Fujitsu CxO survey, die Mehrheit der Belegschaft in irgendeiner Form KI-unterstützt arbeiten – eine Entwicklung, die für viele Unternehmen einen tiefgreifenden Wandel ihrer Arbeitskultur bedeutet. Denn KI verändert Rollenbilder – Aufgaben werden zunehmend von Agenten übernommen, während Menschen stärker in die Rolle von Supervisoren hineinwachsen. Dabei bleibt immer wichtig: KI ist kein Autopilot, der Entscheidungen allein trifft, sondern ein Kopilot, der Mitarbeitende unterstützt und ihnen ermöglicht, sich auf höherwertige Tätigkeiten zu konzentrieren.
In der Diskussion wurde zudem deutlich, dass die Realität vielerorts schneller voranschreitet als die internen Prozesse. Während manche Firmen noch über Grundsatzentscheidungen beraten, experimentieren viele Beschäftigte bereits aktiv mit KI-Werkzeugen. Entsteht daraus eine „Schatten-KI“, gelangen sensible Daten unkontrolliert in externe Systeme – nicht aus böser Absicht, sondern aus dem nachvollziehbaren Wunsch heraus, effizient zu arbeiten. Deshalb braucht es klare Leitlinien, Transparenz und ein unterstützendes Umfeld statt pauschaler Verbote. Auch für die Akquise jüngerer Talente ist es wichtig, mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Diese erwarten moderne Werkzeuge und effiziente Arbeitsmöglichkeiten; fehlen diese, orientieren sich langfristig zu Unternehmen um, die solche Möglichkeiten bieten.
Besonders intensiv wurde schließlich die Frage diskutiert, welche Aufgaben künftig konkret von KI-Agenten übernommen werden könnten – etwa im Kundenservice, in der Prozessautomatisierung oder in der Qualitätssicherung. Einig war man sich darin, dass all diese Potenziale nur dann wirksam werden, wenn Unternehmen den kulturellen Wandel aktiv gestalten und die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden ernst nehmen. Der größte Widerstand kommt nämlich nicht aus der Technologie, sondern aus menschlichen Ängsten und Unsicherheiten. Und genau deshalb gilt mehr denn je: People first.




