4 Arten von Unregelmäßigkeiten an der Kasse

Supermarktmitarbeiterin scannt Waren an der Kasse; im Hintergrund sind gut gefüllte Obst- und Gemüseregale zu sehen

15. Januar 2020

4 Minuten Lesezeit

In einer gut laufenden Filiale kommen während eines Tages gerne mehrere hundert Transaktionen zustande. Verlaufen diese korrekt, ist alles bestens. Doch immer wieder kommt es zu Auffälligkeiten. Der deutlich überwiegende Teil kommt dabei nicht aus Absicht oder gar Böswilligkeit der Mitarbeiter zustande. Gründe können ebenso mangelnde Erfahrung, Trainingsdefizite oder suboptimale Geschäftsprozesse sein. Ein gutes Betriebsklima, ein angenehmes Arbeitsumfeld und Schulungen sowie Weiterbildungen bewirken hier bereits viel.

In den verbleibenden Fällen kann Ihnen der Einsatz einer passenden Lösung entscheidend weiterhelfen. Im vergangenen Jahr haben wir Ihnen SAP Loss Prevention by Fujitsu schon einmal vorgestellt. Damit Sie die über SAP beziehbare Solution Extension (SOLEX) möglichst optimal nutzen, möchten wir Ihnen heute zeigen, in welchen Bereichen es besonders schnell zu Unregelmäßigkeiten kommt, wie die Ursachen für diese aussehen – und wie SAP Loss Prevention by Fujitsu Ihnen dabei helfen kann, sie aufzudecken.

4,3 Milliarden Euro Inventurdifferenzen im Einzelhandel

Die Zahlen der EHI-Studie „Inventurdifferenzen 2019” sind enorm: Dem Einzelhandel gehen in branchengewichteter Hochrechnung durchschnittlich 1 Prozent seines Umsatzes verloren. Im gesamten deutschen Einzelhandel summiert sich dies auf 4,3 Milliarden Euro Inventurdifferenzen.

Nach Einschätzung der Handelsexperten verursachen Diebstähle durch Kunden dabei Schäden in Höhe von 2,38 Milliarden Euro. Der Schaden durch eigene Mitarbeiter beträgt etwa 1,01 Milliarden Euro und der durch Lieferanten bzw. Servicemitarbeiter verursacht rund 350 Millionen Euro. Statistisch gesehen bedeutet das für den Einzelhandel, dass jeder Haushalt jedes Jahr Waren im Wert von 60 Euro nutzt, ohne diese zu bezahlen.

Vier Arten von Unregelmäßigkeiten an der Kasse

Die Unregelmäßigkeiten, die zu diesen Summen führen, können an zahlreichen Punkten auftreten: vom Wareneingang über das Lager bis in den Verkaufsraum. Besonders anfällig ist jedoch ein zentraler Punkt jeder Filiale: Die Kasse. Der überwiegende Teil des dort eingesetzten Personals ist dabei ehrlich – die verbleibenden Fälle von Betrug sollten Sie jedoch zu verhindern versuchen.

1. Unregelmäßigkeiten durch Retouren

Nicht nur im Online-Handel kommt es zu Retouren. Zwar ist dort die Rücklaufquote besonders hoch, doch auch im stationären Einzelhandel tritt immer wieder der Fall auf, dass Kunden zuvor gekaufte Ware zurückgeben möchten. Solange der Prozess ordnungsgemäß läuft, ist das auch kein Problem.

Es darf hingegen nicht sein, dass Mitarbeiter das System der Retouren zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen. In diesem Fall wird ein Gegenstand als „zurückgegeben” in der Kasse registriert und das Geld wird ausgezahlt. Den Betrag erhält jedoch kein unzufriedener Kunde – den es hier gar nicht gibt – sondern der Mitarbeiter selbst.

2. Unregelmäßigkeiten durch Sweethearting

Beim Sweethearting (engl. Sweetheart = Liebling) erfolgt der Verlust aufgrund von Ware, die ein Mitarbeiter an Freunde, Familie oder auch Kollegen verschenkt. So fehlen am Ende sowohl die Ware als auch die Einnahmen, die entstanden wären.

Unberechtigt gewährte Mitarbeiterrabatte oder eigenmächtig reduzierte Preise fallen ebenfalls in diese Kategorie. Das sogenannte Customer Sweethearting ist die wohl am weitesten verbreitete Variante. Allein im US-amerikanischen Einzelhandel führt die „Kundenliebe“ zu jährlichen Verlusten von über 400 Milliarden Dollar.

3. Unregelmäßigkeiten durch unberechtigtes Storno

Sollte es beim Kassiervorgang zu einem Fehler gekommen sein, kann er mittels Storno einfach behoben werden. So wird zum Beispiel versehentlich doppelt gescannte Ware storniert oder der Betrag für eine beim Scanvorgang beschädigte Ware von der Rechnung entfernt.

Dieser Vorgang kann jedoch ausgenutzt werden. Der Mitarbeiter an der Kasse scannt die Ware und nimmt das Geld dafür ordnungsgemäß ein. Doch nachdem der Kunde die Filiale mit der Ware verlassen hat, erfolgt eine Stornierung – und das Geld wird vom Mitarbeiter selbst entnommen. Das Tückische daran: Die Kasse stimmt, der Bestand jedoch nicht mehr.

4. Unregelmäßigkeiten durch Punktekarten

„Sammeln Sie Punkte?” Punktekarten wie Payback oder auch die Deutschland Card sind ein nützliches Instrument zur Kundenbindung. Leider ermöglichen sie auch einen Missbrauch. Ist zum Beispiel bei einem Kunden keine Karte vorhanden, kann ein Mitarbeiter die Punkte für den getätigten Einkauf unrechtmäßig seinem eigenen Konto zurechnen lassen. Im Laufe eines Jahres kommen so durchaus mehrere hundert Euro zusammen, die gegen Bargeld, Einkaufsgutscheine oder Geschenke eingetauscht werden können.

Welche Ausmaße ein solcher Missbrauch annehmen kann, zeigte ein Fall bei der Telekom im Jahr 2016. Angestellte hatten rund 40 Millionen Payback-Punkte für Vertragsabschlüsse ihren eigenen Konten gutgeschrieben statt diese den Kundenkonten zuzuordnen.

So hilft Ihnen SAP Loss Prevention by Fujitsu

In Zeiten von Big Data und Retail 4.0 lassen sich große Datenmengen in Echtzeit überwachen und Muster finden. SAP Loss Prevention by Fujitsu stellt Ihnen das notwendige Werkzeug zur Verfügung, um die Datenmengen, die in einer Filiale anfallen, aufzubereiten, zu strukturieren und übersichtlich darzustellen. Auf dieser Basis sehen Sie dann auf einen Blick, an welchen Punkten bei Ihnen wirklich Unregelmäßigkeiten auftreten – und können den Ursachen entgegenarbeiten. Das webbasierte Tool kann auf den unterschiedlichsten Endgeräten genutzt werden und lässt Sie in Echtzeit auf Ihre Daten zugreifen. So haben Sie jederzeit Ihre wichtigsten KPIs im Blick.

Und so gehen wir bei der Implementierung von SAP Loss Prevention by Fujitsu in Ihrer Filiale vor: Gemeinsam mit Ihnen setzen wir Schwellenwerte („Trigger”/ Muster). Diese werden durch die bei Ihnen gängigen Geschäftsaktivitäten/ Kassenprozesse und die bereits bekannten Schwachstellen definiert. Die Schwellenwerte dienen dann als Grundlage für eine ganze Reihe von „Standard-Reportings”. Darüber hinaus ist es (z. B. für Fachabteilungen) jederzeit möglich, individuell benötigte Analysen zu generieren. Mit Hilfe des Data-Mining-Ansatzes können Sie weitere, von Mitarbeitern unabhängige Schwachstellen identifizieren, um Inventurdifferenzen zu verhindern.

Sie möchten mehr über SAP Loss Prevention by Fujitsu erfahren? Dann sprechen Sie uns einfach an.

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Beate Keitel

Beate Keitel ist Business Partner Marketing bei Fujitsu. In ihrem Arbeitsalltag ist sie immer neugierig, interessante Menschen mit außergewöhnlichen Themen kennenzulernen.

Beate Keitel: Business Partner Marketing bei Fujitsu

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